Kaffee ohne Koffein – Coffee-Up!

Wie geht eigentlich entkoffeinierter Kaffee?

Das ist doch kein richtiger Kaffee.“ Ähnlich wie bei alkoholfreiem Bier, wird auch bei unserem beliebtesten Heißgetränk die nüchterne Variante meist belächelt. Dabei gibt es durchaus legitime Gründe, für den Griff zum entkoffeinierten Kaffee. Sei es wegen gesundheitlichen Beschwerden, Schwangerschaft oder einfach um sich spät Abends noch genüsslich eine Tasse zu gönnen, ohne anschließend nicht mehr einschlafen zu können. 

Aber wie funktioniert eigentlich koffeinfreier Kaffee? In diesem Beitrag erkunden wir, für wen entkoffeinierter Kaffee geeignet ist und wie Koffein und vor allem das Decaf Pendant sich auf den Menschen auswirken. 

Der Einfluss von Koffein auf deinen Körper: Wann du besser auf die koffeinfreie Variante ausweichst

Auf den Punkt gebracht, ist Koffein ein wesentlicher Inhaltsstoff von Genussmitteln, die wir alle sehr gut kennen: Es ist nicht nur in Kaffee selbst enthalten, sondern auch in Cola, Tee oder vielen Energy-Drinks. Der Fitmacher zählt zu den psychoaktiven Substanzen, da er die Aktivität von Nerven anregt und so die stimulierende Wirkung für den Körper mit sich bringt, für die er bekannt ist. 

Genau diese Wirkung ist es, die dazu führt, dass sich unser heißgeliebtes Koffein nicht in allen Lebenslagen eignet. Menschen mit Bluthochdruck wird oftmals von Ärzten empfohlen, auf den morgendlichen Muntermacher wegen seiner anregenden Wirkung auf Herz und Stoffwechsel gänzlich zu verzichten. Dieser kann sich bei Personen, die nur selten Kaffee trinken, sonst weiter erhöhen. Auch für diejenigen Menschen, die sensibel auf die Koffeinzufuhr zu späten Uhrzeiten reagieren und nachts nicht einschlafen können, kann die koffeinfreie Variante eine passende Alternative sein.

Entkoffeinierter Kaffee während der Schwangerschaft

Darüber hinaus äußern einige Fachexperten Bedenken beim Konsum von koffeinhaltigen Getränken während der Schwangerschaft. Dass der Fötus Koffein nicht abbauen kann und durch Koffeinkonsum ein erhöhtes Risiko für ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht besteht, werden oft als Argumente angeführt. Die WHO spricht eine Empfehlung aus, der zufolge Schwangere nicht mehr als 300 mg Koffein pro Tag zu sich nehmen sollten – also etwa 3 Tassen Kaffee.

Koffein während der Schwangerschaft – Coffee-Up!Koffeinkonsum während der Schwangerschaft kann dem Fötus schaden.

Dennoch sind die aufgeführten Risiken Grund genug, um auf einen Kaffee zumindest während der Schwangerschaft zu verzichten und lieber die entkoffeinierte Variante zu bevorzugen.

Wie wird Kaffee entkoffeiniert? 

Der Griff zur kompostierbaren entkoffeinierten Espressokapsel für deinen Nespresso©-Automaten ist also attraktiv für diejenigen, die auf das Aufputschmittel Koffein verzichten wollen oder müssen. Doch wie bekommt man einen Wirkstoff aus einer Pflanze heraus, ohne die Pflanze selbst wesentlich zu verändern? Praktisch wäre eine Pflanze, die Kaffeebohnen wachsen lässt, die von Natur aus koffeinfrei sind. Tatsächlich konnte man solche Bohnen bereits züchten.

Jedoch sind diese modifizierten Bohnen sehr anfällig für Schädlinge oder reagieren auf schlechte Witterungsbedingungen und verlieren dadurch wichtige Aromen. Auch die Qualität der Bohnen kann bei veränderten Pflanzen stark variieren. So muss letztlich doch ein Verfahren angewendet werden, das die Extraktion von Koffein aus der Bohne ermöglicht. 

Der erste entkoffeinierte Kaffee

Ludwig Roselius, der Gründer der Kaffeemarke Hag war es, der 1903 den ersten koffeinfreien Kaffee hergestellt hat. Er nutzte damals ein Verfahren mittels Benzol als Lösungsmittel, um das Koffein aus der Bohne zu extrahieren. Wie sich später herausstellte, ist Benzol krebserregend, womit immer mehr Kritik und die Frage aufkam, ob entkoffeinierter Kaffee überhaupt gesund sei. Aus diesem Grund mussten andere Verfahren entwickelt werden. 

Entkoffeinieren mittels Lösungsmittel

Eine Methode in der heutigen Zeit, um das Koffein aus den Bohnen zu bekommen, besteht darin, es im indirektem oder direktem Verfahren „herauszuwaschen.“ Beim direkten Verfahren werden die Bohnen eine halbe Stunde mit Wasserdampf behandelt, bevor sie knapp einen halben Tag im Lösungsmittel Dichlormethan verbringen müssen. Die psychoaktive Substanz Koffein ist nun aus den Kaffeebohnen herausgelöst.

Obwohl die Rückstände des Dichlormethan von den Bohnen komplett entfernt werden, steht es unter Verdacht krebserregend zu sein. Die Gesundheitsgefahr bleibt daher eine theoretische, denn beim Entkoffeinierungsverfahren werden strenge Grenzwerte eingehalten und kontrolliert. In einem Kilo Kaffee dürfen maximal zwei Milligramm des umstrittenen Dichlormethans vorhanden sein. Ein Grenzwert, der laut Experten in aller Regel sogar noch weit unterschritten wird.

Dem direkten Verfahren gegenüber steht das aufwendige indirekte Verfahren: Hierbei werden die Kaffeebohnen schonend in ihrem eigenen Sud gekocht und all ihre wasserlöslichen Stoffe extrahiert. Der so gewonnenen Flüssigkeit wird dann der Stoff Dichlormethan oder das aus natürlichen Quellen erzeugte Ethylacetat hinzugefügt, welcher das Koffein entzieht. So entsteht eine Kaffeelösung, die alle wasserlöslichen Stoffe der Kaffeebohnen bis auf Koffein enthält. 

Nimmt man diese Flüssigkeit nun und bringt sie mit neuen Kaffeebohnen in Kontakt, lösen sich die sonst wasserlöslichen Stoffe der Bohne nicht mehr aus dieser heraus, weil sie mit diesen Stoffen bereits gesättigt ist. Lediglich das Koffein kann noch aufgenommen werden.

Entkoffeinieren mittels CO2-Verfahren

Ganz ohne Lösungsmittel kommt das Kohlenstoffdioxid-Verfahren aus. Hier wird herkömmliches Kohlenstoffdioxid, auch CO2, in flüssiger Form zum Spülen der zuvor mit Wasserdampf behandelten Bohnen genutzt. Die Vorbehandlung erleichtert das Herauslösen des Koffeins. Das CO2 wird nach der Reinigung verdampft und zur Wiederverwertung aufbereitet. Dieses Verfahren gilt als äußerst schonend für die Bohnen, erhält somit die Aromen weitestgehend und wird bei allen entkoffeinierten Kaffeesorten unseres Sortiments angewendet. 

Ist das Ziel „Entkoffeinieren“ erreicht, können die Bohnen den weiteren Produktionsschritten von der gerösteten Bohne bis zum Kapselkaffee zugeführt werden. Eine Frage stellst du dir aber vielleicht noch, bevor du dich an deiner nächsten koffeinfreien Tasse versuchst. 

Enthält entkoffeinierter Kaffee trotzdem noch Koffein?

Tatsächlich schaffen es selbst die effizientesten Verfahren nicht, 100 Prozent des aufputschenden Wirkstoffs aus den Bohnen zu extrahieren. Etwa ein Prozent des Stoffs verbleibt weiterhin in der Kaffeebohne. Damit der Kaffee in der Kaffeekapsel als „entkoffeinierter Kaffee" bezeichnet werden kann, darf dieser höchstens noch 0,1 Prozent Koffein enthalten, laut EU-Richtlinie. Denn diese Dosis ist bedenkenlos und viel zu gering um ihre übliche Wirkung zu entfalten. 

Deinen entkoffeinierten Kaffee kannst du also in aller Ruhe genießen, ohne einen Effekt der psychoaktiven Substanz zu verspüren. Lass dich überraschen, wie viel Aroma auch ohne Koffein in jeder Kapsel steckt. 

Titelbild von Mae Mu. Weitere Bilder von Fallon Michael.

 

Hannah Doths ist Redakteurin.

Über die Redaktion

Hannah Doths ist Onlineredakteurin und erfreut sich nicht nur während der Textarbeit an dem Genussmoment einer heißen Tasse Kaffee. Mit Rücksicht auf die Natur möchte sie durch ihren vegetarisch-nachhaltigen Lifestyle einen kleinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

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